Ahoi, Ihr Landratten! Hier spricht die Hafenprinzessin – Neustadt in Holstein

Heute habe ich meinen freien Tag hauptsächlich am Neustädter Hafen verbracht. Häufig frage ich mich beim überqueren der Brücke zur Innenstadt, was wohl Urlauber sehen, wenn sie hierüber gehen. Was sieht jemand, der nicht hier aufgewachsen und schon 100 x über diese Brücke gegangen ist? Empfinden Sie meine Heimatstadt als schön? historisch? maritim? romantisch? langweilig? Macht es Ihnen Lust auf Mee(h)r? Diese Brücke ist die Verbindung, um in die Stadt zu kommen. Hier ist meist ein hohes Verkehrsaufkommen. Bei einem Wetter dsc01721wie heute, am heißesten 8. September seid die Temperaturen gemessen wurden, kommen noch zahlreiche Passanten und Rentner auf Ihren E-bikes dazu. Ich bin zum Guten-Morgen-Kaffee mit einem Bekannten verabredet. Wir gehen ins „neue“ Waterkant direkt neben dem Fischeramt mit Blick auf die kleinen Fischerboote und ein paar größere Segler, die hier angelegt haben. Ich hatte Pancakes „Küstenmädel“ zum Kaffee. Sehr lecker. Wir saßen wunderbar in der Sonne auf der Terrasse. Ich freue mich, dass das ehemalige Café Seßelberg durch die neuen Besitzer frischen Wind bekommen hat. Das Fischeramt neben an ist auch ein kleines Fischereimuseum. Hier kann man auch getraut werden. Zum gastronomischen Angebot hier muss ich sagen, dass es ganz gut ist. Im Klüvers gehen viele Touristen oder Einheimische mit Besuch von außerhalb essen. Hier gibt es ganz tolle Fischbrötchen und selbst gebrautes Bier. Das Miera ist zwar hochpreisig, aber auch entsprechend gut. Auch Vegetarier finden hier richtig Leckeres auf der Karte. Es ist ein Restaurant für den besonderen Anlass. Das Krabbes ist auch ganz in Ordnung, wobei ich gestehen muss, dass ich da erst einmal frühstücken und einmal zu einer Sitzung mit kleinen Snacks eingeladen war. Was ich an der Ecke einfach nicht mag (aber viele gar nicht so stört) ist dieser doofe Verkehrslärm. Und was ich als Autofahrer hasse, ist, dass in der Kurve gerne die Fußgänger über die Straße laufen, dabei sind Ampeln vorhanden. Ich wundere mich, dass dort nicht mehr Unfälle passieren.

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Dr. Frank Wilschewski – Kapitän vom Museum Zeittor mit Hafenprinzessin Finja

Heute ist der letzte Tag der Saison, an dem die historische Hafenrundfahrt statt findet. Ich bin froh teilnehmen zu können. Der kleine Kutter von Kapitän Bello fuhr unter dem Schlagwort „Hafenheimat“ hier jeden Donnerstag Interessierte durch den Neustädter Hafen. Begleitet wird die heutige Rundfahrt mit Erzählungen von Dr. Frank Wilschewski, dem Leiter des Museums Zeittor. Frank gehört auch zu so Unikaten dieser Welt. Menschen, die einen einfach durch Ihre Begeisterung für das, was Sie tun beeindrucken. Ich denke, die Stadt hat es nicht zu letzt ihm zu verdanken, dass das Museum hier weder verstaubt, noch langweilig ist. Es werden hier sehr schöne Veranstaltungen angeboten. Immer wechselnde Ausstellungen, Workshops, Führungen, archäologische Sprechstunde, Mitmachaktionen… und … und … und… finden in der Stadt bzw. direkt im Museum statt. Noch dazu kommt, dass Kinder Frank einfach lieben. Viele Neustädter Kids kennen ihn durch Schulprojekte, die im Museum stattfinden. Kinder merken es sofort, wenn jemand Freude an etwas hat und in der Lage ist, ihnen die Welt auf Augenhöhe zu erklären. Ganz nebenbei… ich mag das auch sehr!

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Die Fahrt beginnt mit ein paar Worten über das Binnenwasser und die dahinter liegende „Burg“. Die Burg ist heute ein wunderbares Waldstück, durch das man gut mit dem Fahrrad in
Richtung Sierhagen fahren kann. Gute und weniger gute Geschichten kennt dieses Wald- und
Salzwiesenstück. Früher soll der Hafen mal dort gewesen sein, erzählt Frank. Heute ist das Binnenwasser zu flach. Die Brücke trennt das flache Binnenwasser mit dem Hafen, in den früher auch mopsige Koggen fahren konnten. Der Pagodenspeicher stand damals direkt zum Be- und Entladen von Getreide am Wasser. Heute hat ein Italiener sein Restaurant mit Schwimmpontonterrasse hier. Im Hafen liegen einige Traditionssegler, wie die „Norden“. Vor 2 Jahren machte die hier gesunkene „Dagny“ Schlagzeilen. Außerdem ist immer mal ein Frachtschiff zu sehen. Heute aber nicht.

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Die Tour führt an den Raiffeisen HaGe-Getreidesilos und der ehemaligen Glückskleefabrik vorbei an Segelbooten, die im Kommunalhafen liegen. Auf der linken Seite sieht man das Marinegelände. Hier befindet sich die SAR-Schule der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, die Bundespolizei zur See und das Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr der Marine. Gut zu sehen ist der 40 m tiefe Tieftauchtopf der U-Boot-Rettungsausbildung. Wir fahren auch direkt an den Ausbildungsschiffen vorbei.

Kommt man aus dem Hafen heraus, befindet sich rechts auf dem Marinegelände das Offiziersgebäude, welches früher einmal das Marienbad war. Ein Bild vom Tanztee im Marienbad hängt riesengroß im Zeittor. Diese Ecke ist die Schönste in ganz Neustadt. Leider nicht für jeden zugänglich. Ich war im letzten Jahr dort einmal eingeladen, daher weiß ich wie schön es dort ist. Hier, in dem Teil der Hafeneinfahrt hat man viele, interessante Ausgrabungen gefunden. Im letzten Dezember wurde wohl das bekannteste Video der beiden Delphine, die sich verschwommen hatten, hier zwischen Ancora Marina und dem Rundhafen des NSV gefilmt. Die beiden Tümmler hatten wohl beschlossen ein paar Tage in der Neustädter Bucht zu verbringen. Ganze Schulklassen waren am Hafen und wollten die beiden Delphine sehen. Die Beiden waren DAS Stadtgespräch schlechthin. Ich habe sie auch einmal morgens gesehen und konnte es kaum glauben.

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Als wir einen Blick in die Ancora Marina durch die Gästeeinfahrt werfen, fahren wir an der Ex-Köln vorbei. Frank erklärt, dass hier Feuerrettungsübungen stattfinden. Das Schiff ist nur noch zur Brandbekämpfung und Leckabwehr ausgestattet und nicht mehr fahrtüchtig. Dahinter befinden sich die Boote der Bundespolizei zur See.

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Übungsschiff „Ex-Köln“

Der 5-Sterne-Yachthafen „Ancora Marina“ gilt mit 1400 Liegeplätzen als einer der Größten in der Gegend. Hier liegen Boote, die so kostspielig sind, dass einem schwindelig wird. Optis, Segler, Motorboote, Luxusyachten, Jetskies, Hausboote etc… befinden sich hier. Außerdem gibt es zwei gute Restaurants und ein großes Angebot Rund ums Boot.

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Abendstimmung in der Ancora Marina

Natürlich bleibt auch das tragische Cap-Arcona-Unglück nicht unerwähnt. Am 3. Mai 1945 wurden die Schiffe „Cap Arcona“ und „Thielbeck“ von britischen Bombern aufgrund falscher Information versenkt. An Bord waren keine deutschen Truppenverbände, sondern evakuierte Häftlinge aus verschiedenen KZs. Die, die sich an Land retten konnten, wurden dort erschossen. Noch heute findet jedes Jahr eine Gedenkveranstaltung statt, zu der auch noch Überlebende kommen. Dem Zeittor angeschlossen ist auch eine Ausstellung zu diesem Unglück.

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Was oder wer in Franks Erzählungen zu guter Letzt nicht fehlen durfte, ist natürlich Pirat Klaus Störtebeker. Der soll sich damals in der Burg versteckt und eine hübsche Merkendorferin entführt haben. Piraterie war damals in Neustadt wohl ein guter Nebenverdienst. Hier kann man die kleine Geschichte nachlesen: Piraterie in Neustadt

Nach einer Stunde war die Rundfahrt mit Geschichte vorbei. Ich ging wieder von Bord des Kutters und rüber auf die andere Straßenseite. Hier findet man den „Bücherwurm“. Das ist eine von der „Brücke“ eingerichtete Second-Hand-Buchhandlung als Beschäftigungsprojekt seelisch Beeinträchtigter Menschen. Hier gibt es Bücher aller Genres. Ich war heute auf der Suche nach Büchern, die mir helfen etwas mehr Hintergrundwissen über unseren schönen Norden zu vermitteln und mich weiter Neugierig auf neue Geschichten zu machen.

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Auf der anderen Hafenseite, ganz am Ende, im Gebäude der ehemaligen Glücksklee, dem
heutigen „Haus der Manufakturen“ befinden sich einige Büros und ein Fitness Studio. Hier befindet sich auch das Atelier Barby Doll. Ich möchte es unbedingt erwähnen, weil sich ein Besuch dort lohnt. Besonders, wenn man ein maritimes Mitbringsel sucht, dass nicht von der Stange ist. Ihre Bilder sind toll und man findet lauter hübsche Sachen. Mein „Ankerplatz“-Schild von Anja Barby-Doll hängt bei uns an der Eingangstür. Leider gibt es bei ihrem Nachbarn immer noch keine Waffeln. Hätte sie sooo gerne probiert!

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Bepackt mit meinem Stapel „neuer“ Bücher vom Bücherwurm, bin ich dann runter zur Wiese am NSV-Rundhafen gefahren. Dort sind Holzliegen, statt Bänke, in Richtung Sonne aufgebaut. Hier konnte ich Frank und Bello zuschauen, wie Sie die nächsten Touren in den Hafen hinaus und wieder rein fuhren. Zahlreiche Möwen flogen umher. Kinder fuhren mit Ihren Optis aus dem Seglerhafen. Urlauber machten Fotos. Hunde kühlten sich an einer kleinen Treppe ins Wasser ab. Ein schöner Platz als Zwischenstop bei einem Spaziergang oder zum Verweilen und Lesen. Hier endet übrigens auch der Neustädter Kunstkilometer. Ich bin wohl eher ein Kunstbanause für die Skulpturen, denn ich kann damit nicht soviel anfangen. Was sollen mir bloß Skulpturen wie „Influenza und Fazit“ sagen? So ist das eben mit der Kunst… Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

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Abendstimmung am Binnenwasser mit Blick auf die Burg

 

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2 thoughts on “Ahoi, Ihr Landratten! Hier spricht die Hafenprinzessin – Neustadt in Holstein

  1. hallo, hafenprinzessin!
    sprachen wir nicht neulich noch darüber? Auch wo man meint, sich absolut auszukennen, gibt es noch neues zu entdecken – besonders unter fachkundiger führung. So eine historische hafenrundfahrt werden wir also unbedingt auch in unser nächstes programm aufnehmen. gelesen hatte ich davon schon öfter, z.b. in der „eva“. Es erschien mir bei eurem (scheinbaren) mini-hafen aber nicht besonders attraktiv. Also erste pläne für 2017. Wie gesagt: Das kärtchen von den nord-zielen.de sollte in jede auftrags-bestätigung!
    Und wie einem neustadt vorkommt, wenn man über die brücke geht? Auf jeden fall deutlich maritim! Wir parken eigentlich immer am gogenkrog, damit man gar nicht erst mit dem parkplatz-gewusel und dem stau bei der rückfahrt kämpfen muss. (Unten am speicher steht ja fast immer eine schlange mit linksabbiegern…) Wenn man dann zur brücke hin kommt und schonmal die ersten schiffe, klüvers und das wasser sieht, ist es doch DER beweis für neustadts maritimen charakter. Wer von grömitz her kommt und „oben“ parkt bekommt das ja gar nicht mit! Der blick über das binnenwasser ist für mich immer wieder ein erlebnis – die weite, die vielen wasservögel, die böötchen….. Das abend-bild ist ja besonders gelungen!

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