Was braucht man mehr, als das Meer und den Liebsten? Verliebt in Schleimünde

Ich, als Hafenprinzessin, die immer einen Ankerplatz für Ihren Liebsten bereit hält, um möglichst nicht so häufig selbst mit auf See gehen zu müssen, wird nun ein paar Tage auf und nicht an der Ostsee verbringen. Leider bin ich nicht so seefest und habe dagegen einen knallharten Wind-und-Wetter-Segler an meiner Seite, den Nichts mehr schreckt, als nicht die Segel hissen zu können. Ihm zu Liebe haben wir uns für ein paar Tage Segelurlaub entschieden. (Mir zu Liebe ging es Anfang des Jahres nach Weitweitweg) Je nachdem, wie der Wind stehen würde, wollte er das Ziel wählen: Kraniche gucken in Zingst oder Schweinswale in der dänischen Südsee. Der Wind ging gen Osten. Zingst war also raus. Er segelte schon voraus und unser gemeinsamer Starthafen war nun der Segel Club Eckernförde. Es gab eine kleine Einführung und ich wurde ans Ruder gesetzt. Im Fahrwasser von Eckernförde muss man ein wenig aufpassen, da durch einige Tonnen ein Warngebiet abgesteckt ist. Hier ist auch Übungsgebiet von U-Booten. Am Tag davor kam eines neben meinem Freund hoch. Ein anderer Segler erzählte, dass einmal quasi neben ihm ein Hubschrauber hielt und Taucher „abschmiss“. Beides nicht alltägliche Begegnungen, die beide mit einem komischen Gefühl umschrieben.

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Großsegler in der Schleimündung im Sonnenuntergang

Mir wurde erklärt, warum ich, wie das Segel in den Wind lenken sollte. Ich muss dazu sagen, dass mein Freund äußerst geduldig und ruhig ist, wenn er was erklärt. Verstanden habe ich trotzdem nicht viel. Ich habe versucht mich daran zu erinnern, wie es im Technikmuseum in Wismar war, wo für Kinder eine Art Planschbecken mit Segelbötchen aufgestellt war. Man konnte auf einen Knopf drücken und Wind kam. Je nachdem, wie die kleinen Bötchen zum Wind standen, fuhren sie oder auch nicht. Ich wünschte, ich hätte dieser Kinderspielerei mehr Sinn gegeben und es mit mehr Aufmerksamkeit auf das dsc01899Wesentliche bedient. Nun saß ich am großen Segel und verstand das mit dem Wind nicht so richtig. Letztendlich war es so, wie mit allem: „Learning by doing“. Theorie verstehe ich meist erst nach der Praxis. Ich sollte sogar zwei 90-Grad-Wenden fahren. Ganz schön aufregend! Später am Monitor, der unseren Weg aufzeichnete, sah ich, dass ich tatsächlich richtig schicke 90-Grad-Wenden gerudert bin. Watt war ich stolz!!!!

Hinter Damp hatte ich keine Lust mehr zu Rudern, ich sollte mich doch entspannen und in der Sonne relaxen. Wie soll das gehen, wenn man angespannt und konzentriert am Ruder sitzt und auf den Wind achten muss? Ich versuchte auf die Toilette zu gehen, selbst der zweite Versuch scheiterte, sobald ich im Salon war. Mir wurde innerhalb Sekunden schlecht. Ich setzte mich wieder an Deck. Ich gähnte. Herrjee! Es ging Richtung Seekrank werden. Ich kam gleich wieder ans Ruder. Zum Glück war die rote Tonne zur Orientierung in die Einfahrt der Schleimündung langsam zu sehen. Eine halbe Stunde später waren wir am Hafen Schleimünde angekommen. Ich war froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und ärgerte mich gleichzeitig, dass es ohne Tablette oder Kaugummi doch nicht so einfach geht.

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Ich war sofort verliebt! Verliebt in Schleimünde! Seltsam, dass es Orte gibt, die man betritt und man sie einfach liebt. Einfach so, ohne ein warum oder darum. Einfach so, weil es schön ist, weil es einfach gefällt.

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Vor ein paar Wochen bin ich umher gefahren, um einen Blick von dem kleinen Leuchtturm zu erhaschen, leider nahezu ohne Erfolg. Da war er nun: Grün-weiß gestreift strahlte er in der Sonne und wartete auf Schleimündebesucher. Der für Besucher zugängliche Platz auf dem Gelände war klein. Es gab einen Steinstrand, auf den der Ostwind die Wellen drückte und einen kleinen, wilden Sandstrand umsäumt von Heckenrosen mit Hagebutten, ruhigem Schleiwasser und strahlendem Sonnenschein. Hier gibt es nur Gastliegeplätze für Segler auf der Durchreise. Über den Wasserwanderweg kamen abends einige junge Leute mit Kanus, die in den Zelten hinterm Seglerhafen schliefen. An der „Giftbude“, einer geschlossenen Gaststätte, trafen wir auf eine Dame vom Verein Jordsand. Das Naturschutzgebiet „Vogelfreistätte Oehe-Schleimünde“ lag abgezäunt hinterm alten Lotsenhaus. Die Dame wartete auf Ihre nächste Gruppe für eine halbstündige Führung. „Wenn der Seeadler kommt, kann man am meisten sehen, weil die Vögel dann aufgeschreckt werden. Heute, bei Ostwind, wird man von der Aussichtsplattform nicht viel zu sehen bekommen.“ erzählte sie.

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Vogelfreistätte Oehe – Schleimündung

Gegen Abend füllte sich der Hafen. Von der Uni in Kiel kamen einige Segelstudenten hinzu. Erst dachten wir, es würde sich sicherlich Partylaune breit machen und bis spät laut werden. Obwohl Ausflugsdampfer in regelmäßigen Abständen Besucher an der Schleimündung ausspuckten und wieder mitnahmen, der Hafen voll war und alle Zelte mit Jugendlichen besetzt waren, wurde die angenehme, entspannte Stimmung an dem wunderbaren Fleckchen nicht gebrochen.dsc01840

Bei der Hafenmeisterin kann man sogar Brötchen vorbestellen, wenn man über Nacht bleibt. Es gibt eine Dusche (2,5 Minuten duschen 1,-€) und WCs. Highlight des Abends war die Sauna. Es gab tatsächlich eine Sauna! Die Nutzung muss 1 Stunde vor Nutzung bei der Hafenmeisterin angemeldet und im voraus mit 5,-€ die halbe Stunde bzw. pro Saunagang bezahlt werden. Da es Abends schon sehr kalt war, wäre ein innen liegender Ruheraum schön gewesen. Als Entschädigung dafür, konnte man über eine Leiter auf eine Mauer klettern und unterm Vollmond auf die rauschende See und den wunderbaren Leuchtturm schauen. Romantik pur! Auch Nachts war der Ostwind wieder Thema, denn er brachte alle Boote, selbst im Hafen, zum schaukeln. Ich war so kaputt von dem tollen Tag, dass mir das nichts mehr ausmachte. Ich schlief einfach ein…

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Abendstimmung im Hafen von Schleimünde

Am nächsten Morgen schaukelte es nur noch auf der anderen Anlegerseite wie verrückt. Bei uns ging es. Mit unserer Segelnachbarin schauten wir beide begeistert den Booten zu, die in Höhe des Leuchtturms über die Wellen hopsten. Direkt an der Ausfahrt zur Ostsee baute sich eine Wellenschwelle auf, über die die Boote nacheinander hinüber hopsen mussten, um aus der Schlei zu gelangen. Ein faszinierendes Bild.

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Es wurde Zeit auch für uns weiter zu segeln. Ich war froh, dass die Auswahl der Reise in Richtung Schleswig ging. Der Ostseefjord Schlei sollte unser wellenarmes Urlaubsreisegebiet bleiben.

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