Lässt einen nicht im Regen stehen – Kirche Ratekau

Beständigkeit findet man zur Zeit nicht unbedingt im Wetter, aber vielleicht im Glauben und in den Mauern einer Kirche. Wie in der in Ratekau vielleicht.

Da ich nun schon einmal vor Ort war, konnte ich mir auch mal die Kirche von Ratekau anschauen. Bin ich doch schon hunderte Male über die Autobahn daran vorbei gefahren. Auffällig ist an ihr, dass es eine Feldsteinkirche mit rundem Turm und kein gotischer, eckiger Backsteinbau ist. Den runden Turm hat heute nur noch eine Kirche in Neukirchen. Von der Autobahn schweift manchmal der Blick hinüber, besonders im Winter, weil hier so eine Wettergrenze zu scheinen sein. Hier liegt dann der erste Schnee und das Wasser des Sees friert ein.

Heute scheint aber die Sonne und es ist kein Winter. Vor der Kirche steht ein älterer Herr am Weg zum Eingang und unterhält sich mit 2 Fahrradfahrern. Als er mich entdeckt bietet er mir gleich an, mir etwas über die Kirche zu erzählen. Seine Kleidung ist einfach und er hat ein freundliches, runzeliges Gesicht. Er lächelt gelassen, herzlich und freut sich, dass ich tatsächlich gerne die Kirche anschauen möchte.

Das Offensichtliche, was mir nie aufgefallen war, erwähnte er zuerst. Der Kirchturm ist total schief. Er neigt sich ganze 1,20 m vor, so dass man nicht nass wird, wenn man im Regen vor dem Turm steht. So erzählt er es mir zumindest. Faszinierend.

Die Kirche besteht aus unterschiedlichen, zahlreichen Feldsteinen und Kalk aus dem Segeberger Kalkberg. Einige stellen sind etwas unsicher geworden, da hat man die Steine mit Stahlkreuzen von innen und außen fest geklemmt. Das Gotteshaus ist 1156 erbaut worden und hat in über 860 Jahren sicherlich schon viele, viele Geschichten erlebt und gehört.

Beim reingehen, öffnete der Herr mir eine Tür seitlich im Durchgang. Er zeigte mir hier eine Stelle, an der  ich an einem kleinen Fenster erkennen konnte, wie dick die Kirchenmauer ist.

Der Innenraum ist sehr schlicht. Kein prunkvoller Firlefanz. Die Bänke stehen in lindgrün in Reihe. Im Gang hängen goldene Kronleuchter. In Kirchen fühle ich mich schnell eingeengt und finde die Atmosphäre erdrückend. Oder sehr kitschig und prunkvoll. Die Schlichtheit bietet hier Platz für das Wesentliche. Hier steht das Brautpaar, der Konfirmant, die Trauergemeinde und das Gebet vor Gott im Vordergrund. Für mich fühlt es sich an, als wenn in dieser kleinen Kirche ganz viel Raum für Gott und seine Gläubigen ist. Erdrückend ist es hier gar nicht.

Ich darf hoch auf die Empore, wo sich die Marcussenorgel (von 1891) und ein paar weitere Sitzreihen für den Chor befinden. Die Orgel hat total schöne, alte Knöpfe und ich freuee mich sie fotografieren zu dürfen.

Als ich wieder aus der Kirche komme, sitzt der freundliche Herr in einem Stuhl und liest ein Buch. Er hat mich noch mit Infomaterial zur Kirche ausgestattet. Ich beende meine Besichtigung mit einem Rundgang um das Gotteshaus. Um die Kirche herum sind Steinplatten an der Mauer aufgestellt, auf denen als Kriegsdenkmal Namen von gefallenen Soldaten aus dem 1. Weltkrieg stehen. Drumherum wachsen blühende Heckenrosen.  Wiese und Bäume umranden die Kirche. Über einem Seiteneingang hängt eine Sonnenuhr. Davor stehen Bänke, die zum Verweilen oder Nachdenken einladen. Es ist ein ruhiger Ort im Ort.

Seid über 30 Jahren kümmert sich der Gemeinnützige Förderverein Freunde der Ratekauer Kirche e.V. um den Erhalt der Kirche und den dazugehörigen Aussenanlagen, sowie um die Führung interessierter Bloggerinnen, wie mich und anderer Interessierten.

Übrigens: Die Kirche in Ratekau hat den ältesten Chordachstuhl Schleswig-Holsteins.

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