Ein besonderes Naturerlebnis: Kegelrobben auf der Düne – Helgoland

Von November bis Januar bekommt die Düne bei Helgoland Kegelrobbenzuwachs. Diesen Winter sogar mit Rekordzahlen: 415 bis zum 18.12.17.

Nordstrand auf der Düne

Ok, ich bin erwachsen, ich reiße mich zusammen, ich hole tief Luft und ich werde NICHT lauthals „OOOHHH!!! SIND DIE SÜÜÜÜÜÜßßßß“ in den Wind quietschen. Puuuhhh!!! Geschafft… Aber jetzt mal wirklich. Sie sind einfach sssoooooo süüüßßß, da kann kurzzeitig schonmal die Fassung verlieren. Aber seht selbst:

Schnuckelig oder????
Kegelrobbenbulle in den Dünen
Weibchen irgendwo auf dem Weg

Den ersten Tag sind wir auf eigene Faust mit der Dünenfähre auf die Düne gefahren. Überall wird man darauf hingewiesen, dass man sich den Kegelrobben, ganz besonders den Neugeborenen und den Bullen, nicht mehr als 30 m nähern soll. So ein Kleines möchte man ja nun auch wirklich nicht erschrecken und noch weniger einen bis zu 300 kg schweren Bullen, der seine Familie beschützen möchte oder gerade hormongesteuert nicht weiß wohin mit sich.

Holzbohlenweg am Nordstrand
Auch von hier kann man die Tiere super sehen

Damit dies besser gewährleistet ist und dennoch alle Besucher sich die Robben anschauen können, wurde ein Holzbohlenweg am Nordstrand als Aussichtsplattform errichtet. Eine tolle Idee, finde ich! Von hieraus kann man super gucken. Es ist gar nicht nötig den Robben, dicht am Strand näher zu kommen. Man muss es nur auch erstmal auf den Steg rauf schaffen. Überall in Strandnähe liegen die Robben kreuz und quer auf den Wegen. Ihnen ist egal, ob das Gehwege für Menschen sind, ist es doch besonders um diese Jahreszeit, ihre Insel und das ist auch gut so. Sie liegen daher auch mal in einer Gehwegpfütze, auf einer Treppe, einer Restaurantterrasse und lassen sich schon gar nicht von einer Chessna auf dem Flughafengelände aus der Fassung bringen.

Im Sommer Campingplatz, im Winter Kegelrobbenplatz
„Wir liegen wo wir wollen 🙂 „
„Ein Flugzeug? Mir doch egal… ich mache ein Nickerchen“

Jeden Tag war eine Rangerin und zwei junge Damen vom Tierschutzverein Jordsand e.V. auf der Düne unterwegs, um aufzupassen, dass die zahlreichen Naturfotografen und Dünenbesucher den Tieren nicht zu nahe kamen. Sie leiteten alle um, wenn irgendwo ein Neues geboren wurde oder irgendwo ein großer Bulle lag. Außerdem gaben sie hilfreiche Tipps, wie man sich verhalten sollte. Der Steinstrand Aade war beide Tage komplett gesperrt.

Jungtier in Sicht? Die junge Dame vom Verein Jordsand passt auf
Leuchtfeuer am Südstrand – auch hier liegen zahlreiche Kegelrobbenfamilien

Robbenbabies werden ca. zwischen November und Januar an Land geboren. Vorzugsweise hier auf der Düne, weil das Wasser am Strand nicht so hoch kommt. Ansonsten gebären Robben auf Sandbänken und an anderen Stränden, wie dem Amrumer Kniepsand (der ja eigentlich auch eine Sandbank ist).

Mama und Kind dösen
Papa auch

Wenn das Robbenbaby auf der Welt ist, säugt die Mama Ihren Heuler in der ersten Zeit. Dieses nimmt dann ganze 1,5 kg am Tag zu. Die dicke Mama wird dann immer dünner und der kleine Heuler zu einer fetten, felligen Kugel mit Knopfaugen. Mega süß!

Am zweiten Tag hatten wir eine kleine Führung. Beim Jordsand Verein hatten wir leider kein Glück. Stattdessen konnten wir uns einer Führung über die Kurverwaltung anschließen. Seehundjäger Rolf Blädel, den ich aus einem NDR-Beitrag wieder erkannte, erklärte uns das Wichtigste. Seehundjäger klingt ein wenig irreführend, ist Herr Blädel doch ehrenamtlicher „Herr der Robben“ und zum Schutz der Wildtiere hier unterwegs.

Nach diesem zweiten Robbenbetrachtungsnachmittag konnte ich bereits etwas einschätzen, wie alt welche Jungtiere bereits sind. Die Robbenbabies nehmen schnell zu und wachsen schnell, damit sie bald selbst ins Meer können, um sich zu ernähren, wenn die Kegelrobbenmutter nicht mehr weiter stillt.

Hier ein kleiner Überblick:

1 Tag alt – schmale kleine Robbe mit gelblichen Fell (durch das Fruchtwasser), dicke, runde Mama daneben

Ich bin noch ganz klein

1 Woche alt – dickes, rundes, weißes, felliges Kegelrobbenkind im Lanugahaarkleid mit schlanker werdenden Mama

Bei Muddern schmeckts am Besten!

3 Wochen alt – Weißes Fell löst sich und die Robbe wird scheckig, die Mama verlässt ihr Kind

5 Wochen alt – Kegelrobbe wird hungrig, denn seid es nicht mehr von der Mama gesäugt wird, zehrt sie an ihren Reservern. Es muss selbst ins Meer und sich was zu futtern fangen

Robbenweibchen erkennt man übrigens an ihrem hellen Fell mit dunklen Flecken, Männchen an ihrem dunklen Fell mit hellen Flecken. Die Männchen sind auch deutlich größer. Während die Männchen in dieser Zeit schrecklich Hormonüberfordert sind, „prügeln“ sie sich gerne mit anderen Männchen. Wir haben einige Bullen mit blutverschmierten Fell gesehen. Deren Fettschicht soll aber dick genug sein, dass es ihnen nicht so viel ausmacht. Für uns wäre ein Robbenbiss nicht nur schmerzhaft, sondern auch gefährlich. Die Robben haben scharfe, kegelförmige Zähne und die Bakterien in der Mundflora übertragen Krankheiten.

Weibchen links – Bulle rechts

Diese Düne mit den zahlreichen Kegelrobben und im Sommer auch mit den Seehunden ist einfach ein Schatz. Es ist so wunderbar und faszinierend diese Tiere so nah in freier Wildbahn zu erleben. Es lohnt sich auf jeden Fall, die etwas doofe Anreise auf sich zu nehmen und auch mal im Winter nach Helgoland zu reisen.

Sooo gemütlich hier im Sand

Rekordnachwuchs: 18.12.2017 – 415 Babies

Düne: Sanddorn- und Dünenbewachsene Insel vor Helgoland

Führung über den Verein Jordsand e.V. um 9:50 Uhr (außer Montags)

Führung über die Kurverwaltung 9,50€ inkl. Dünenfähre (wir waren an einem Dienstag um 11:00 Uhr da)

Nur die Dünenfähre kostet 5,-€ und fährt im Winter halbstündig von 8 Uhr bis 16 Uhr (außer um 12.30 Uhr)

Herr Blädel, Robbenkenner, und ich

 

2 thoughts on “Ein besonderes Naturerlebnis: Kegelrobben auf der Düne – Helgoland

  1. Man könnte sie ja auch glatt Kugelrobben nennen ich hätte auch gequitscht….ohhh sind die süss

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