Ein Abend im Tonstudio – Mute Solo mit den Humming Bees in Hamburg

Kopfhörer auf! Achtung, Ruhe bitte! Moderation, Countdown… die Band spielt. Der Abend beginnt. Ein Konzert der besonderen Art, gestern in Hamburg: Mute Solo mit den Humming Bees.

Mute Solo ist ein monatliches Tonlaborkonzert. Ein Projekt des Masterstudiengangs „Sound/Vision“ der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg (HAW). Ton, Licht, Video, Regie, alles wird von den engagierten Studenten geregelt. Das Ergebnis ist ein außergewöhnliches Konzert, eine Tonaufnahme und ein Live-Übertragung auf TIDE-TV und Youtube.  Innerhalb einer Stunde gehen Straßenmusikanten komplett verkabelt online. Newcomer haben hier eine super Chance Ihr Material aufzunehmen und mehr Zuhörer zum Lauschen zu gewinnen. Ein Geben und Nehmen also.

In einem Zeitrahmen von 30 Minuten sollen wir da sein. Wer zu spät kommt, muss leider draußen bleiben, damit die Aufnahmen nicht zu gestört werden. Wir sind natürlich überpünktlich und vertreiben uns ein wenig die Zeit mit Kickern, begutachten des Campusgebäudes und phylosophieren über Träume, die wir uns nicht erfüllt haben, weil wir selbst nie studiert haben.

Dann geht es los. Ein paar Leute, die keine Kopfhörer mögen oder mit einem möglichen Husten das Konzert nicht stören wollen, finden ein paar Plätze im Regieraum. Von hieraus kann man durch eine Scheibe in den Tonaufnahmeraum schauen und die 1000 Regler begutachten, die fleißig hin und her geschoben werden.

Wir anderen finden unsere Kopfhörer auf grünen, quadratischen Ledersesseln in der Mitte eines runden Raumes. Drumherum hat sich die Band mit ihren Instrumenten und allerlei Kabelkram aufgebaut. In der abgerundeten Wand befinden sich mehrere Fenster, hinter denen sich sicherlich noch mehr Regler und Technik befinden, wie im Regieraum. Hier wird (hoffentlich) ein super Sound und ein klasse Bild für die Aufnahmen erstellt. Pinke und blaue Strahler verleihen dem grau-weißen, etwas spacigen Raum Farbtupfen und bieten der Band eine stylische Kulisse.

Ich setze mich mit auf die Lederecken in die Mitte des Raumes. Die Stimmung ist irgendwie angespannt und komisch. Alle freuen sich auf die Band, aber keiner weiß, wie er sich verhalten soll. So sitze ich ganz aufgeregt auf meinem grünen, quadratischen Sitzplatz, beobachte die beiden Sänger und warte auf die Einweisung. Alle Beteiligten überschwemmen den Raum mit ihrer Vorfreude und dem Zurückhalten ihrer eigenen Nervosität. Der Typ, der wenig später im Regieraum verschwindet, gibt uns vorher noch eine kurze Einweisung, wo wir die Lautstärke der Kopfhörer einstellen können und macht mit uns eine Klatschprobe nach einem Countdown, wie in einer Talkshow.

Dann wird es noch einmal richtig spannend. Noch eine Minute bis zur Aufnahme. Um 20 Uhr geht es los, dann wird alles aufgezeichnet, dann muss alles stehen. Der Musiker am Kontrabass hört sich auf der rechten Seite nicht. Der Typ aus dem Regieraum kommt angelaufen, tauscht ein Teil aus und fegt mit seiner Schlaghose fast noch etwas um. Alle halten die Luft an. Geschafft, Teil gewechselt und die Moderation startet. Verwirrte Blicke bei uns Zuhörern, der Countdown zum Willkommensapplaus fehlt und die Band fängt an zu spielen.

Ich weiß gar nicht, wo ich zu erst hingucken soll. Die Sänger stehen genau vor mir, Kameras sind auf die Mitte gerichtet und vor meine Füßen krabbeln Studenten mit Kameras auf den Schultern und langen Kabeln herum. Alle Beteiligten tragen Kopfhörer. Die Anspannung liegt immernoch auf den Gesichtern der Musiker, die in Ihren Stimmen und Instrumenten jedoch nicht zu hören sind. Es ist so spannend. Ich fühle mich, wie eine Soundvoyeuristin, dabei bin ich mitten drin und ganz dabei. Es ist großartig.

Die Gute-Laune-Musik der Indie-Folk-Pop-Band Humming-Bee sorgt für super Stimmung und wir folgen dem Rat eines der Liedsänger „Im Kopf mitzutanzen“. Schultern zucken und mit dem Bein wippen müssen reichen, wir sollen ja sitzen bleiben und das Bild nicht stören. Meine Sitznachbarin und ich tauschen ein Lächeln, schunkeln und klatschen so gut wir können mit, um der Musik nachzugeben.

Es war ein toller Abend. Einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und gleichzeitig mit dabei zu sein, war wirklich außergewöhnlich. Das Zusammenspiel zwischen Technik, Musik, Leidenschaft und Kunst gemischt mit Freude und Nervosität zu beobachten, war wirklich ein Erlebnis.

HAW Hamburg Fakultät DMI, Kunst- und Mediencampus, Finkenau 35, 22081 Hamburg

Weitere Konzerte und Karten HIER

Der Eintritt ist gratis – die Plätze begrenzt

Das Humming Bee Tonstudiokonzert findet Ihr HIER

 

2 thoughts on “Ein Abend im Tonstudio – Mute Solo mit den Humming Bees in Hamburg

  1. was man in unseren großstädten – besonders rund um die unis – doch für fantastische möglichkeiten hat! Wir fahren viel zu selten zu „unserer“ musikhochschule nach hannover, obwohl wir deren newsletter immer bekommen. So hat das neue jahr also auch in ostholstein seinen lauf genommen….
    Wir sind zwar am ersten februar-wochenende bei meiner mutter in glücksburg, aber das passt leider nicht zum BELLISNEY am 10.2. Schade! Die vorschaubilder mit mickey mouse und arielle sehen ja schon gut aus!
    Viel erfolg mit dem winter-programm! Demnächst auch im hansa-park?
    schöne grüße!
    uwe

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