Reif für die Insel – Von Stralsund nach Hiddensee

Mit dem Segelboot ging es von Stralsund zur Insel Hiddensee. Sonnenschein, Natur und ganz viele Glücksmomente erwarteten uns bereits dort. Lies selbst.

Die Gedanken drehen sich im Kreis und der Kopf ist überfällig für eine „Pause“-Taste. Da kommt die Nachricht: „Komm zu mir, mein Boot liegt in Stralsund, gemeinsam hier zu sein ist viel schöner als alleine“. Eigentlich war das Ziel von meinem Freund die Insel Bornholm in seinem Urlaub zu erreichen, doch der Wind stand ungünstig und so landete er unerwartet in Stralsund. Ich sagte alle Termine ab, packte Schlübber und Zahnbürste ein und fuhr nach der Arbeit direkt weiter nach Stralsund. Freizeit mit dem Liebsten zu verbringen war eine zu und zu verlockende Gelegenheit, die ergriffen werden wollte.

Im Hafen von Stralsund

Das Segelboot wartete bereits in der Citymarina Stralsund auf mich. Die Altstadt, die Gorch-Fock und das Ozeaneum liegen gegenüber. Eine entspannte Abendstimmung umgibt den Hafen. Die Leute sitzen noch auf der Hafenmauer beisammen und lassen die Beine baumeln.

Die Karte für die Dusche und den Strom erhielten wir in der urigen Kneipe „Zur Fähre“ ganz in der Nähe. Dort hätte ich am liebsten die maritime, kuriose Einrichtung und die völlig unterschiedlichen fussballschauenden Besucher fotografiert. Wie eine unsichtbare, kleine Maus zwischen den alten Bildern und dunklen Holzbalken, hätte ich die Gesichter in faszinierenden Portraits festgehalten. Leider fand ich es als Nicht-Maus für unangebracht, die Leute zu fotografieren und habe kein Bild gemacht.

Citymarina Stralsund
Citymarina Stralsund

Mit dem Segelboot nach Hiddensee

Der Hafen war die Nacht erstaunlich ruhig. Kein lautes Geplätscher am Boot, einfach nur tiefenentspannte Ruhe. Ich habe so wahnsinnig gut und tief an Bord geschlafen, dass ich schon früh wach war. So konnten wir bald frühstücken und nach Hiddensee ‚rüber segeln. Erst dachten wir, wir könnten den Weg nur unter Motor schaffen, doch dann kam der Wind von der richtigen Seite und wir konnten Segel setzen. Es gab nur kleine Wellen, dazu Sonnenschein und immer wieder etwas zu entdecken. In der Ferne sahen wir zahlreiche Schwäne und auch die hinter uns verschwindene Silhouette von Stralsund war ein Hingucker.

Immer schön die Fahrwassertonnen im Auge behalten!

Die Fahrrinne ist zum Teil etwas schmal und man muss auf dem Stück auf die schnellen Fähren zwischen Stralsund, Rügen und Hiddensee aufpassen. Manchmal war das flache Wasser nur ein paar Meter entfernt und nur einen halben Meter tief. Man musste also gut auf die roten und grünen Fahrwassertonnen achten, um nicht auf Grund zu laufen.

Auf Hiddensee angekommen: Seglerhafen Vitte

Die Einfahrt zum Seglerhafen Vitte ist übrigens sehr schmal und knickt ein wenig ab. Man muss sehr aufmerksam schauen, wohin man fährt. Das Hafenhandbuch empfiehlt sogar, dass einer vorne am Bug Ausschau hält, während der Skipper vorsichtig in den Hafen hinein rudert. Von einer Ansteuerung des Hafens im Dunklen sollte man daher absehen. Wir sind ganz achtsam um die Mittagszeit in den Hafen gefahren und haben gleich vorne fest gemacht. Weiter ‚rein ist das Wasser in den Anlegeboxen zu flach für unser Boot.

Der private Seglerhafen ist klein und niedlich. Er wird von Schilf und Dünengras umrahmt. Sehr schön ist auch der große Grillplatz. Dusch- und Waschräume sind vorhanden und können mit Wertmarken genutzt werden. Fahrräder finden ihren Platz an Holzpfählen direkt vor dem Steg. Da der Hafen privat ist, herrscht hier kein Durchgangsverkehr von anderen Touristen.

Nur der Hafenmeister… naja… der ist fürchterlich. Ungehobelt, ohne eine Spur Charme. Sitzt da in seinem Häuschen und gibt jedem zu verstehen, dass er idiotisch ist und stört. Er wirkt wie ein unglücklicher Mensch in einer bezaubernden Umgebung. Der Fahnenmast zeigte fünf verschiedene Nationen, die den Weg in diesen Hafen gefunden haben. Sollte man diese doch Willkommen heißen. Schade, denn die Segler sind hier alle entspannt und bieten wenig Grund zur Aufregung, da sollte man doch einigermaßen freundlich sein können.

Schreck zu Sonnenuntergang

Aufregend war auch die Begegnung mit zahlreichen Junikäfern in der Abenddämmerung. Die summen ganz fürchterlich und flogen uns hauptsächlich im Kopfbereich an. Die Frauen quietschten erschrocken auf, eine Dame schlug mit einem Handtuch immer wieder auf den Kopf ihrer Freundin, die Männer gaben sich gelassener, aber waren sicherlich auch erschreckt von den fliegenden Käferchen. Am Ende mussten wir alle darüber lachen, wie wir zuckend und quietschend über die Rasenflächen hopsten. Es war wirklich witzig.

Ohne Auto auf Hiddensee

Auf Hiddensee angekommen, suchten wir uns erstmal ein Fahrrad. Ein Fahrrad zu finden war ganz einfach. Ab 5,-€ am Tag bekommt man schnell eines geliehen. Hiddensee ist schließlich fast autofrei. Es gibt einen Trecker, den Bus, einen Ärztewagen und die LKWs, die nur zum Ware ausladen kommen. Ansonsten ist hier jeder mit der Kutsche, per Fahrrad, Laufrad oder Rollator unterwegs.

Die flachen Wege bieten barrierefreien Zugang auch für Rollifahrer zwischen den Orten und auch an den Strand. Immer auf dem Deich lang hat man schöne Blicke über Teile der Insel. Dann siehst Du Pferde weiden, Vögel auf Weidezäunen sitzen und den leichten Wind über Gras streifen.

Von Stralsund nach Hiddensee mit dem Segelboot – ca. 3 Std.

Fahrrad leihen ab 5,-€

Mit dem Liebsten auf einer Insel landen – unbezahlbar – unbeschreiblich schön

Liegeplatzgebühr Vitte 18,-€ für ein 9 m langes Segelboot – Duschwertmarke 2,-€ für 3 Minuten

Der Seglerhafen liegt in unmittelbarer Nähe zum Fähr- und Kommunalhafen, dem Herzen von Vitte

Junikäfer = Gerippter Brachkäfer

 

 

2 thoughts on “Reif für die Insel – Von Stralsund nach Hiddensee

  1. wieder mal was ganz anderes – wieder mal ein volltreffer! Solche segelgeschichten lese ich auch immer zu gerne. Sie erinnern mich an die rentnerjahre meiner eltern, die von ’87 bis 2004 jeden sommer auf ihrer LM gelebt und die ganze ostsee unsicher gemacht haben. Viel zu selten hatten wir da gelegenheit zum mitsegeln…..

    Deine blogs machen uns hier im binnenland so viel freude, dass du die märchenbücher demnächst getrost als „dankeschön“ annehmen kannst. Es sind ja inzwischen deutlich mehr blogs als bücher!!! Und wir haben die grimms, bechsteins, andersens hauffs und einige andere sowieso noch im original.

    bis „bald“
    uwe

    1. Danke lieber Uwe, das ist soooo lieb! Ich freue mich sehr über die Worte und das ich meine Teilen kann 🙂 Liebe Grüße! Finja

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