Kindergarten Küste Teil 2 – Schwan und Schwänchen im Neustädter Hafen

Seit Wochen beobachte ich einen brütenden Höckerschwan. Lies mehr über die Geschichte von Familie Schwan, denn Fu & Fara bekommen ein Baby.

Bereits vom Weg aus kann man das Nest aus Schilf und Röhricht sehen. Schwänin Fara hat es sich Anfang Mai hier gemütlich gemacht. Ich habe gelesen, dass das Schwanenmännchen, also Fu, den Platz für das Nest aussucht. Wir nehmen an, dass Fara die Eier am 8. Mai gelegt hat.

12.05.2018

Die ersten Fotos habe ich ein paar Tage später gemacht. Fara hat 2 Eier gelegt. Meist brüten Schwäne zwischen März und Juni 6-8 Eier aus. Sie hat weniger gelegt. Sie sind hellgrünlich und wunderschön. Das sie die Eier nicht zugedeckt hat könnte ein Zeichen sein, dass noch Weitere folgen werden. Ist der Schwan jung, legt er weniger Eier. Also scheint Fara eine junge Schwanendame sein. Schwäne werden um die 20 Jahre alt.

15.05.2018

Fara bleibt in Nestnähe. Wenn Sie kurz ins Wasser geht, dann versteckt sie die Eier unter einem Haufen Röhricht. Erst dachte ich, dass Nest sei verlassen, aber die Eier liegen tatsächlich unter den Schilfteilen. Das Schilf um das Nest ist noch nicht hoch gewachsen. Man kann den Schwan mit Nest sogar vom Spazierweg aus sehen.

Die Eier sind gut versteckt

21.05.2018

Das Schilf ist schon ein wenig höher gewachsen. Die Sonne scheint. Wir haben schönstes Ostseewetter. Um die 20 Grad und Sonnenschein. Es ist herrlich. Fara sitzt auf ihrem Nest und passt auf. Man kann gut die Dunenfedern sehen. Die Dunenfedern hat sich Fara herausgezupft, um das Nest und die Eier zu wärmen und zu polstern.

23.05.2018

Oh ein Blick auf die Eier! Ab und zu steht Fara auf, wechselt vorsichtig die Position und stupst ein bisschen ihre Eier an. Sie liegen sicher unter ihrem Bauch in der Schilfmulde. Immer wieder angelt sie mit ihrem Schnabel und Hilfe des langen Halses nach Röhricht, zum Nestbau und polstern. Dann macht sie ein Nickerchen.

02.06.2018

In den vergangenen Tagen konnte ich Fara nur auf ihrem Nest sitzen sehen. Nun ist sie einmal aufgestanden und siehe da: Aus 2 mach 4. Ich entdecke 4 Eier unter dem Höckerschwanenbauch. Ein Mann erzählt mir es wären schon einmal 6 gewesen. Das glaube ich aber nicht, da ich regelmäßig am Nest war und max. 4 Eier sehen konnte.

Höckerschwan
Fara – eine wunderschöne Höckerschwanendame

09.06.2018

Fara und ihre Eier sind mittlerweile gut im Schilf versteckt. Auch das Nest ist mittlererweile erhöhter. Sie ist nur noch von einer Seite sichtbar. Die Brutdauer liegt bei 35 – 40 Tage. In einer Woche ist es soweit. Ich bin schon ganz gespannt.

15.06.2018

Es sind nur noch 2 Eier. Fara dreht sie ab und an liebevoll . Wir fragen uns, wo die anderen beiden Eier geblieben sind. Vielleicht hat ein Marder sie geholt? Seit 8.5. sind 38 Tage vergangen. Der Stegschnack spekuliert heiß über das ob und wann die Küken schlüpfen werden. Der Mann hinter mir ist sich sicher, dass die Eier blind sind. Fara hat diesen Gedanken nicht. Sie bleibt schön auf den beiden Eier sitzen.

16.06.2018

Als Fara aufsteht, kann ich ihren Ring sehen. Ich weiß jetzt, dass sie Helgoländerin ist. Zumindest wurde sie von der Vogelwarte „Institut für Vogelforschung Helgoland / Wilhelmshaven“ beringt.

Ich lerne nun auch Höckerschwanenvater Fu kennen. Das Schwanenmännchen ist deutlich an dem ausgeprägteren Höcker auf dem Schnabel zu erkennen. Die ersten Wochen habe ich ihn gar nicht gesehen. Nun taucht er öfter auf und passt auf das Nest auf, während Fara ein paar Runden schwimmen geht. Auch Fu ist auf Helgoland beringt worden. Ich finde den Gedanken sehr romantisch, dass die beiden gemeinsam hier gelandet sind und ihr Schwanenleben gemeinsam als Pärchen hier verbringen.

18.06.2018

41 Tage sind nun rum. Es liegen deutlich mehr Federn um das Nest verteilt. Ich habe gelesen, dass Schwanenweibchen sich während der Brutzeit mausern. Ich bin mir nicht sicher ob die vielen Federn zur Mauser oder noch zum Schutz der Eier gerupft wurden. Wir denken nicht, dass es ein Kampf gewesen ist.

Vielleicht sind die Eier doch nicht blind und es sind Nachzüglereier? Dann wäre meine Berechnung falsch und es gibt noch die Chance auf ein Küken.

Schwan

19.06.2018

Den halben Tag verbringe ich der Nähe des Nestes. Ich habe frei und nichts weiter vor. Wind und Wasser um mich herum, die Vögel und die idyllische Umgebung beruhigen mich irgendwie. Fara sieht aus wie immer. Man soll die Küken piepsen hören bevor sie schlüpfen, damit sich die Mama an sie besser kennenlernt. Egal, wie ich mich anstrenge, ich höre nichts.

19.06.2018 – 18.30 Uhr

Eine Frau hat ihr Smartphone gezückt. Ich ahne etwas und springe auf. Ich kann ihn sehen und bin außer mir vor Freude. Keine blinden Eier. Da sitzt ein entzückend-flauschiges kleines Schwanenbaby. Es lehnt an seine Mama gekuschelt. Schwanenvater Fu sitzt vor dem Nest. Alle 3 sehen entspannt und wie eine glückliche, kleine Familie aus. Wir nennen den Kleinen „Fiete“. Es ist einfach so ein schöner Tag! Herzlich Willkommen Fiete!

Schwanenküken
Ganz junges Schwanenküken „Fiete“

20.06.2018

Es ist 9 Uhr früh und ich freue mich darauf, Fiete guten Morgen zu sagen. Das Schwanennest ist seit Wochen das erste Mal komplett leer und kein Schwan zu sehen. Dann eben erst einmal ein freundliches „Guten Morgen“ an Blesshuhnküken Piet. Etwas weiter weg kann ich Fu und Fara auf einer Vogellandzunge erkennen. Ein wenig später schwimmen sie wieder durch den Hafen und fauchen alle anderen Wasservögel, wie die Enten, von sich weg. Ich versuche den kleinen Fiete unter den Flügel zu erkennen, kann aber nichts sehen. Am Nachmittag steht Fara bellend in dem Nest und ruft nach ihrem Jungen.

Schwanenmutti Fara

21.06.2018

Es regnet nach Wochen das erste Mal wieder so richtig. Es ist windig und herbstlich. Am Schwanennest macht sich eine dicke Maus zu schaffen. Die Schwaneneltern sind abends ohne Junges wieder im Hafen zu sehen. Sie haben Fiete definitiv nicht unter ihren Flügeln. Sie schwimmen gut sichtbar am Steg längs und ich kann keine Anzeichen auf ein Küken erkennen. Fiete wäre einfach zu groß, als das man nicht wenigstens ein bisschen was von ihm sehen könnte. Faras Flügel sind nicht einmal vom Körper abgestützt. Bei Fu wäre es eh unwahrscheinlich, dass das Küken auf seinem Rücken oder unter den Flügeln sitzt, da die Männchen immer flug- bzw. kampfbereit sind, um ihre Familie zu beschützen. Es regnet nur noch leicht. Der Himmel weint nach Fiete. Es ist schrecklich traurig, aber so muss es sein.

 

Einige Infos zum Schluss:

ACHTUNG! Auch Höckerschwäne sind Wildtiere. Sie sind an Seen, Ufern und Meeren meist eher friedlich. Geht es aber um die Familie greifen besonders die Männchen auch mal an. Das hat schon bös Verletzte gegeben. So entspannt, wie ich die Tiere erlebt habe, ist eher die Ausnahme.

Eine informative Vogelseite stellt auch Naturfotograf Gerhard Brodowski zur Verfügung. Weitere Infos findet man auch über die Seite des Schwanenschutz Komitees e.V.

Höckerschwanenfeinde: Parasiten, Wetter, Vogelpest, Hund, Wolf, Fuchs, Seeadler, Marderhund, Mensch, Ratte, Krähe, Greifvogel und Hecht. Höckerschwanenbabies sind Nestflüchter. Angeblich soll hier ein Hecht im Hafen sein. Der könnte sich Fiete bei den ersten Schwimmversuchen geschnappt haben. Es könnten auch Ratten oder die Krähen aus dem Kaisergehölz gewesen sein. Ich kann zwar nicht glauben, dass sie dieses doch recht große Vogelkind auf dem Gewissen haben, aber die restlichen Feinde sind sicherlich ausschließbar.

Naturschützer in der Gegend: NABU und BUND Umwelthaus

Kindergarten Küste Teil 1

Beringte Vögel bei den zuständigen Vogelwarten oder über EURING melden

 

 

 

One thought on “Kindergarten Küste Teil 2 – Schwan und Schwänchen im Neustädter Hafen

  1. so spannend- und dann DOCH eine tragödie??? Keine hoffnung mehr? Wie schade!
    p.s. : heranwachsende schwäne gibt es auf unseren binnengewässern hier ja auch immer mal wieder, aber
    SOOO ein winziges schwanenküken habe ich ja noch nie gesehen! Danke für deine ausdauer!
    uwe

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