Ein Festmahl: Sierksdorfer Schollen – Bodos Goldbutte aus Omas Pfanne

Wenn ich morgens mal rechtzeitig los fahre und einen ruhigen Ort vor der Arbeit suche, um noch einen Kaffee zu trinken, führt mich der Weg neuerdings an den Fischerplatz von Sierksdorf. Ich mag die Ecke einfach. „Ich habe den schönsten Arbeitsplatz“ lächelt Angelika  mich an und wir schauen unterm Sonnensegel durch über den Strand auf die Ostsee in Richtung Haffkrug-Scharbeutz-Timmendorfer Strand.

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Das trübe Wetter macht hier gar nichts aus

Angelika verkauft hier morgens Brötchen und Kaffee. Sie kennt hier jeden bei Namen, sogar die Hunde, die mitkommen. Für die gibt es Leckerlis und für alle anderen freundliche Worte. Selbst bei Schmuddelwetter ist es schön hier. Man muss nur die richtige, warme Kleidung anhaben. Der Ort ist irgendwie besonders. Regelmäßig finden hier Trauungen statt. Im Winter gab es hier Glühwein und Feuershow. Auch Gottesdienste gab es hier bereits. Bodo und Eckhard fahren hier zum Fischen raus. Bodo verkauft seinen Fang an seiner Garage einmal über die Straße. Wenn das Schild an der Straße steht gibt es frischen Fisch. Geräucherter Aal und zwei Eimer voll Schollen liegen heute bereit.

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Schollen sind Plattfische die sich auf sandigen, kühlen Boden, also in unserer Ostsee, wohlfühlen. Durch die, wie draufgetupften, orangen Punkte auf der Oberseite nennt man sie auch Goldbutte. 4 Goldjungs habe ich mitgenommen. Abends habe ich mich mit meiner Oma verabredet. Sie hat Kartoffelsalat gemacht und ich habe die Schollen mitgebracht. Kopf und Innereien waren schon entfernt. Waschen, mit dem Messerchen die Oberfläche abschrubbeln, Schwanz und Flossen abschneiden, mehlieren und ab damit in die Pfanne. Schön mit ein wenig Geduld goldbraun braten. Nur nicht zu lange, dann wird das Fleisch zu fest. „Und dann schön auch die äußeren Gräten ablutschen, dass ist das Beste“ empfiehlt meine mit Freude vor der Pfanne herum hüpfenden Oma. Sie liebt Scholle und ich jetzt auch. Waren doch eigentlich Dorsch und Dorade meine Lieblingsfische und fand ich Scholle eher ok, als super lecker. Frischer Ostseefisch ohne Umwege, direkt vom Fischer in die Pfanne, ist halt einfach ganz was Feines. Es war einfach ein Festmahl!

 

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Die Möwe hat Glück – Der Fischer hat einen Seestern mitgebracht

Heute war ich wieder Fisch kaufen. Es gab einen Steinbutt, Scholle und Dorsch. Zum Dorsch gibt es immer so eine Art Witz-Ratespiel: „Wo liegt der Unterschied zwischen Dorsch und Kabeljau?“ Seid gewarnt, wenn Euch einer auf den Arm damit nehmen möchte, denn es gibt keinen Unterschied: Dorsch ist Kabeljau, Kabeljau ist Dorsch. Naja, genau genommen heißt der Kabeljau bis zur Geschlechtsreife Dorsch. Der Fisch an sich ist der Gleiche und in der Ostsee gibt es einfach Dorsch. Ich denke auf dem Teller ist der Unterschied höchstens in den Portionen zu erkennen. 😉

Bodo Willert hatte gerade den Fisch rein geholt und sich heute ausnahmsweise

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Eine Kiste voll fangfrischen Dorsch

entschieden ihn nicht auf dem Boot aus zu nehmen. Normalerweise findet das Ausnehmen direkt auf dem Wasser statt. Auf die Innereien freuen sich die dicken Möwen. Die sitzen nun um das Boot herum am Strand und lauern schon. Sieht ein bisschen aus, wie lauter Schosshunde, die auf Herrchen warten. Als Fischer Bodo mit einem festen Messer beginnt, routiniert die Innereien heraus zu holen, sind die Köpfe bereits abgeschnitten. Ich konnte nun ein paar Fragen los werden, während eine Scholle nach der anderen entdarmt im nächsten Eimer mit sauberen Wasser fand. Das erste was ich lernte sind zwei kleine Regeln: 1. zum Fischer geht man mit eigenem Eimer oder Tüte und 2. zahlt man passend. Eigentlich logisch, doch ich habe zum zweiten Mal gegen die Regeln verstoßen. UUPSS!!! Macht nichts, nun weiß ich es. Wenn das Wetter bzw. der Wind es zulässt und es nicht gefährlich wird für die kleinen Boote, dann fährt Bodo Willert ab 5 Uhr morgens bis zu 2 sm weit raus. Bei Nordwestwind und 5 Windstärken bleibt das Boot lieber an Land.

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Fischer Bodo Willert beim Ausnehmen der Schollen

In Sierksdorf gibt es 3 Fischer, die noch rausfahren. Einer davon ist übrigens mein alter Mathelehrer. Bodo Willert dagegen ist bereits ein kleines TV-Sternchen, denn der WDR hat 2014 eine Reportage über die Lübecker Bucht gedreht und er war mit dabei. Er schwärmt von der Reportage der Serie „Wunderschön“, weil diese wirklich sehenswert ist und immer noch die Leute darüber sprechen. Außerdem kommt die Tage die DSC08703TALB (TourismusAgentur Lübecker Bucht) vorbei um ihn für neue Werbezwecke oder so abzulichten. „Weil Sie so authentisch sind“ sage ich und Herr Willert lächelt ein wenig ungläubig. Ich überlege unwillkürlich, was eigentlich „authentisch“ ist und ob ich eine „authentische Apartmentvermieterin“ bin 😉 Ich spreche ihn auf seine „Haustiere“ an. Er erzählt, dass eine Möwe sich gerne mal auf seinen Motor setzt und ihm zu schaut. Mittlerweile lässt sie sich sogar mal von ihm vorsichtig streicheln. Sie hat einen Ring und daher weiß Herr Willert, dass sie quasi aus Rostock stammt bzw. da zumindest beringt wurde. Ich hatte mal einen Aufruf vom Haus der Natur in Cismar gelesen, dass man beringte Möwen und andere Vögel mit Fotos melden soll. Herr Willert erzählt, dass hier häufig ein Mann (dessen Namen ich vergessen habe) herkommt, die Fischerplatz-Möwen fotografiert und die Bilder dann in Ornithologengruppen im Internet meldet. So kann man den Lebensweg der Vögel verfolgen. Ich finde das sehr interessant und denke, davon wird es hier auch bald was zu lesen geben 🙂 Zum guten Schluss gibt es noch einen Tipp mit auf den Weg: Vor der Zubereitung der Schollen, diese für 1-2 Minuten in Essigwasser einlegen, dann sind sie leichter zu putzen und weniger schleimig.

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Strand am Fischerplatz

 

 

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One thought on “Ein Festmahl: Sierksdorfer Schollen – Bodos Goldbutte aus Omas Pfanne

  1. Das hat ja richtig Hand und Fuss mit dem blog!!! Da kann man evtl. selbst mal vorbei schauen, wenn man in sierksdorf ist….
    Prima Kombination aus persönlichen eindrücken und allgemeinen infos!
    Schöne Gruesse aus APP. 303……..

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