Schneckenturm, Schafschlaf und eine Rennraupe – Mit dem Fahrrad auf Fehmarn

Heute geht es auf Fahrradtour auf Fehmarn. Was es dort alles zu entdecken gibt, erfahrt Ihr in diesem Blogeintrag.

Das Ziel war morgens los zu fahren, um mit dem Rad die 60 km (Nahm ich mal so an, es sind aber ca. 75 km) einmal um Fehmarn herum zu fahren. Fehmarn ist nicht nur Sonnen-, sondern auch Fahrradinsel. Flache Wege entlang der Küste und durch malerische Dörfer, dazu noch überwindbare Entfernungen zwischen den Ortschaften und zahlreiche kleine Restaurants und Ausflugsmöglichkeiten, machen Fehmarn zu einem beliebten Ziel für Radfahrer aller Altersklassen. Darauf sind auch viele Fahrradverleiher und Ferienwohnungvermieter eingestellt. Fahrradstellplätze gibt es an allen Cafés etc.

Wir begannen unsere Tour am Ortseingang von Großenbrode, weil ich so gerne über die Fehmarnsundbrücke fahren wollte. Das Wahrzeichen verbindet die Insel Fehmarn mit dem Festland von Ostholstein. Auf dem Weg zur Brücke verfuhren wir uns ein wenig und kamen an einem wilden Strand unterhalb der Brücke an. Das Wasser hier war faszinierend ruhig und klar. Der Boden, den man durch das klare Wasser sehen konnte, war sandig und nicht steinig. Die Ostsee glitzerte und schimmerte in verschiedenen Türkistönen. Bei dem Anblick war es kaum zu glauben, wo wir uns befanden. Türkisfarbenes Wasser kennt man ja meist aus dem Urlaub am Mittelmeer oder so.

Wir drehten um zu einer Pforte, die zum Weg über die Brücke führt. Bisher konnte ich die Fehmarnsundbrücke nur mit dem Auto überqueren. Die Brücke ist fast 1 km (genau genommen 963 m) lang und liegt etwas über 20 m über dem Wasser. Von hieraus hat man einen wunderbaren Blick auf viele Segler der umliegenden Seglerhäfen von Burgstaaken, Burgtiefe, Lemkenhafen, Orth, Heiligenhafen und Großenbrode, die auf dem Weg in den nächsten Hafen, den Sund passierten. Die Fahrt über die Brücke ist gleichzeitig spannend, schön und auch gruselig. Lastwagen brettern laut an einem vorbei und auf der anderen Seite geht es weit in die Ostsee runter. Bei Sturm ist die Brücke häufig mal gesperrt. Zum Glück hatten wir keinen Sturm heute und wir konnten die, für mich aufregende Fahrt über den Sund genießen.

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Brombeeren naschen am Wegesrand

Nach der Brücke hielten wir uns links herum. Auf den Wegen trifft man viele Touristen und jeder sucht etwas anderes: „Wo geht es zum Leuchtturm? Wie weit ist noch die Brücke? Wo ist eigentlich der Südstrand? Sind wir auf dem richtigen Weg zum Jimi Hendrix Gedenkstein?“ Jeder weiß irgendwas und man hilft sich in unterschiedlichen Dialekten (außer in Platt) gerne weiter.

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Das erste Ziel war der Leuchtturm Strukkamphuk, den man scheinbar nur über einen Campingplatz erreicht. Da wir nur ein „Nur-für-Gäste“- Schild bzw. eines mit ähnlicher Aufschrift fanden, verzichteten wir auf den Leuchtturm und fuhren durch Albertsdorf nach Gold. In Albertsdorf ist ein großes Schild mit der stolzen Aufschrift „Hier wohnt die Rapskönigin 2014/15 Linda“ zu finden. Alljährlich findet in Petersdorf das Rapsblütenfest statt, auf dem die Rapsblütenkönigin gekührt wird. Ich mag solche Traditionen.

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Der Ort „Gold“ gibt seinem Namen ein gute Vorlage für Redewendungen. Als mein Vater das Ortsschild sieht, ruft er begeistert: „Wir haben Gold gefunden!“. Vermieter bewerben ihre Objekte mit der Aufschrift „Haus in Gold“. Ab Gold geht es immer am Wasser entlang. Hier sind die ersten Kiter und Surfer zu finden. Heute sind aber nicht viele dort, bzw. nur Lehrlinge zu sehen, weil so gut wie kein Wind ist. Hinter Gold gibt es bis zur Westseite keinen Strand mehr. Dafür aber ein blumenumrahmtes Maisfeld.

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Als wir durch Lemkenhafen fahren, wundere ich mich sehr, wie verschlafen der Ort ist. Ich kenne Lemkenhafen nur im Winter, weil mein Freund sein Boot hier im Winterlager hat. Abgesehen davon, dass jetzt Segelboote in dem kleinen Hafen liegen, sieht hier alles aus, wie im Winter. Unglaublich. Mein Vater nimmt an, dass käme, weil hier kein Strand sei. Das kann natürlich sein. Wer mal nach Lemkenhafen kommt, der sollte in der Aalkate essen gehen und sich Räucherfisch mitnehmen. Wir waren da schon öfter essen. Selbst im Winter ist hier immer Betrieb. Uriges Ambiente und gutes Essen locken die Leute gerne hier her.

Schafe Deich Fehmarn

Schafe Fehmarn

Von Lemkenhafen geht es über den Landschaftsschutzdeich an Orth vorbei zum Leuchtturm Flügge. Friedliche Schafen grasen hier oder dösen im Schatten und in der Sonne. Mit kleinen Kindern macht der Ausflug hier entlang zum Leuchtturm sicher viel Spaß, weil die Kleinen die Tiere genauso mögen, wie wir Großen und sie hier auch mit dem Laufrad wunderbar fahren können, weil es keinen Straßenverkehr gibt und alles eben ist.

Leuchtturm Flügge Fehmarn
Leuchtturm Flügge
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Treppenhaus im Leuchtturm

Auf zum Leuchtturm Flügge

Das Flügger Leuchtfeuer liegt am Krummsteert Naturschutzgebiet. In Richtung Flügge gibt es hier auch wieder einen Strand. Der Leuchtturm ist ein Ausflugsziel für die ganze Familie, denn hier gibt es Fischbrötchen, Eis, Kuchen, kühle Getränke, einen Spielplatz, Fahrradständer und mehrere Picknicktische im, um den Leuchtturm liegenden, Kaffeegarten. 3,-€ kostet der Eintritt zur Aussichtsplattform. Montags ist Ruhetag. Juchuh! Heute ist Mittwoch!

Kein Wunder, dass dieser Leuchtturm es auf eine Briefmarke geschafft hat. Er ist wunderschön! Bisher mein Lieblingsleuchtturm! Das blaue Treppenhaus führt schneckenförmig durch den Ziegelturm nach oben. Eine sehr schöne Konstruktion. Mehrere Schautafeln informieren über den Leuchtturm und die Naturschutzgebiete drumherum. Für nicht ganz Schwindelfreie, die es aber immerhin bis oben geschafft haben, gibt es Gucklöcher, damit jeder mal in die Weite schauen kann.

Der Rundgang draußen ist etwas abenteuerlicher. Man kann nicht ganz herum gehen, weil man an einer Stelle nicht durch kommt und umdrehen muss. Dazu ist der Weg schmal. Ich schätze mal, dass er einen halben Meter breit ist. Das feuerrote Geländer bietet zwar Durchblick durch die Streben, ist dafür aber recht hoch. In die Weite schauen ist einfach zu schön. Meine Neugierde ist zum Glück größer, als die Höhenangst und somit besiege ich sie langsam immer mehr.

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Insel Rikscha No 1:

Nachdem wir uns gestärkt und genug Ausblick genossen hatten, fuhren wir weiter. Uns kam auf dem Weg ein wundersames Taxi entgegen. In Flügge wartete Sergej Markow mit seinem Shuttle-Service „Insel-Rikscha No 1“ bereits auf neue Mitfahrer. Alles was Räder hat und Besonders ist, findet hier sein Plätzchen und kann gemietet werden. Als Fahrradrikschafahrer hat Sergej hier angefangen Besucher zum Leuchtturm zu chauffieren. Heute ist er mit einem Elektrofahrzeug unterwegs. Handwerkliches Geschick, ein etwas loses, liebenswertes Mundwerk und Gefallen an besonderen Fortbewegungsmitteln mit mehr oder weniger Klimbim als Hingucker, verhelfen im hier seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Man MUSS einfach anhalten, gucken und mit Sergej ins Gespräch kommen. Als wir dazu kamen hatte sich gerade eine Frau neben Sergej gesetzt, um von Ihrem Mann ein Foto mit dem Shuttlemann im verrückten Fahrzeug machen zu lassen. Wer hierher kommt, sollte von der Flügger Seite kommen und sich mit Sergej zum Leuchtturm bringen lassen. Oder sich eines seiner Fahrzeuge ausleihen. Ein Erlebnis ist es bestimmt. Sergej ist, wie jedes seiner Fahrzeuge, ein Unikat.

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Vogelschutzreservat Wallnau:

Von hieraus geht es auf den nächsten Deich und durch das Vogelschutzreservat Wallnau. Hier fährt man zwischen Naturstrand und Heidelandschaft immer auf dem Deich entlang. Wir haben das Gefühl, wir sind auf einmal in Dänemark gelandet. Landschaftlich ähnelt es sehr Gegenden, die mich an Dänemark erinnern. Hier hat die NABU für einige Wildpferde, Koniks, ein Gelände eingezäunt. Sehen konnten wir aber keines der Tiere.

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1970 fand hier ein riesen Festival statt. 25.000 Besucher feierten auf dem Love-and-Peace-Festival à la Woodstock. Jimi Hendrix soll hier seinen letzten Auftritt gehabt haben. Grund genug hier einen Jimi-Hendrix-Gedenkstein aufzustellen, um uns Luftgitarre spielen zu lassen.

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Am Ende des Naturschutzgebietes Wallnau haben wir festgestellt, dass die Zeit heute, wie im Fluge vergangen ist. Es war bereits 16 Uhr und wir mussten ja noch Zeit einplanen, Torte zu essen und zum Auto zurück zu radeln. Wir hatten den Tag so wunderbar genossen und vertrödelt, dass wir nicht annähernd die vorgenommene Strecke schafften. Das ist aber gar nicht schlimm, da es sich hier wirklich lohnt, den Tag einfach auf sich zukommen zu lassen und zu genießen, als daran vorbei zu fahren. Außerdem bleibt man so neugierig und macht sich DSC01508gerne wieder auf den Weg neuer Entdeckungen.

Wir fuhren also durch Petersdorf und Gollendorf zurück. Die Jahreszeit ist gerade ungünstig um durchs Landesinnere zu fahren, da gerade alle Felder abgemäht und gepflückt waren. In anderen Monaten ist es sicherlich schön durch Raps- und Getreidefelder zu fahren.

Als wir zwischen Gollendorf und Lemkenhafen fuhren, kreuzte auf einmal eine riesige, knallgrüne Raupe mit Stachel am Ende unseren Weg. Faszinierende Rennraupe! Sie war nicht nur außergewöhnlich grün und groß, sondern auch schnell. Es war gar nicht so einfach ein Foto von ihr zu machen. Es war übrigens eine Windenschwärmerraupe. Kaum zu glauben, dass aus so einem großen, leuchtenden Tier einmal eine grau-braune Motte wird.

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Rennraupe

Tagesabschluss im Hof-Café Albertsdorf

In Albertsdorf zurück, bekamen wir endlich unser Stück Torte. Im Hof-Café in Albertsdorf ließen wir uns unter einem der Pavillions im Gartenstück der ländlichen, ausgebauten Scheune im Schatten nieder. Auf einer Terrasse gab es weitere Sitzmöglichkeiten und auf der Auffahrt auch Strandkörbe zum Verweilen. Um hierher zu gelangen, folgt man einfach den rosa Fahrrädern in der Umgebung, die als Wegweiser an ein paar Straßenecken zu finden sind. Die Torte ist ganz fein und der Kaffee sehr lecker. Die Auswahl ist groß, der Preis klein. Tasse Kaffee kostet 1,90€ und das Stück Torte 2,50€. Ein gelungener Abschluss des Tages, bevor es über den Fehmarnsund in der Abendsonne zurück zum Auto geht.

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Unsere Radtour auf Fehmarn

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3 thoughts on “Schneckenturm, Schafschlaf und eine Rennraupe – Mit dem Fahrrad auf Fehmarn

  1. Ein freundliches hallo aus hameln!
    Das bloggen muss ja wohl süchtig machen – ist man nach so einem erlebnisreichen tag nicht zu geschafft zum tippen? Oder hat man als fewo-vermieterin tagsüber genug zeit für so ein tolles hobby? Die fehmarn-tour ist ja sowohl als „aufsatz“ (den ex-pauker kann ich halt nicht verleugnen) als auch als bilderbuch ausgeprochen gelungen! Ihre persönliche teilnahme kommt so gut rüber, dass man die touren gerne mit-„fährt“ und regelrecht miterlebt!
    Ich bleibe dran – vom häuslichen computer noch viel enfacher als mit dem tablet….
    u, hohmeyer

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